Kapuzinerkirche Friedhof

Anschrift: Kapuzinergasse 235, 84489 Burghausen

Patrozinium: 26. Juli

1654 von dem Kapuziner Nikolaus von München gebaut (Grundsteinlegung am 7. Juli 1654). Am 26. Juli 1656 weihte Franz Vigilius von Spaur, Bischof von Chiemsee, Kloster und Kirche zu Ehren der hl. Anna. 1965 – 1967 erfolgte nach den Plänen von Karl-Heinz Limpert (gestorben 1979), Burghausen, und den künstlerischen Entwürfen von Anton Rückel (gestorben 1990), München, eine Neugestaltung, die sich bewusst an der Idee franziskanischer Einfachheit orientiert. Schlichter Saalbau, Tonnengewölbe über dem Kirchenschiff und dem südlich gelegenen Chor.

Hier steht eine Steinsäule, die mit vier gleichsam aus ihr herausgewachsenen eisernen Armen den Tabernakel umfängt und das riesige Kreuz hoch aufgerichtet hält. Der Christuskörper ist ein Werk des bekannten Burghauser Bildhauers Johann Georg Lindt (gestorben 1794). Der vergoldete Bronzetabernakel von A. Rückel zeigt vorne einen Lebensbaum mit Erschaffung des Adam, Geburt, Himmelfahrt Christi und Geistsendung, an der rechten Seite die Auferstehung mit lateinischem Text aus Jesaja 11,10 (alte Fassung) und links das apokalyptische Lamm mit griechischem Text aus der Offenbarung 22,14.

Der Volksaltar besitzt als Mensa die über 300 Jahre alte Rotmarmorplatte des ursprünglichen barocken Seitenaltares. Auf dem Ambo von A. Rückel (1982) Darstellungen der hll. Fidelis von Sigmaringen, Franziskus und Bruder Konrad.

Am Chorbogen befinden sich die ehemaligen Seitenaltarbilder des Burghauser Künstlers Johann Nepomuk della Croce vom Jahr 1781. Links: der hl. Antonius mit dem Esel, rechts der hl. Felix von Cantalice, darüber die Auszugsbilder: links hl. Fidelis von Sigmaringen (erster Märtyrer des Kapuzinerordens) und rechts hl. Joseph von Leonissa. Der barocke Kreuzweg ist aus der Zeit um 1750.

Unter der Orgelempore Schmerzhafte Muttergottes um 1750. Daneben an der Rückwand zwei Figurengruppen des Bildhauers Dominik Dengl (gestorben 1998) um 1965: links Anna Selbdritt und rechts Fidelis von Sigmaringen mit dem Bruder Konrad von Parzham, der 1851 im Kapuzinerkloster Burghausen für vier Monate in der Krankenpflege tätig war.

Die Seitenkapelle rechts ist dem Ordensvater Franz von Assisi geweiht. 1975 wurde hier mit barocken Figuren des hl. Franziskus (stehend) und des Bruders Leo ein Krippenaltar geschaffen; Stern und Schriftband von Karl Feldhüter, Ach, (gestorben 2006). Die Krippendarstellungen gehen auf den hl. Franz zurück. An der Wand ein Grabstein des Kapuziners Pacificus, der im Pestjahr 1649 starb. Unter der Seitenkapelle befindet sich die ehemalige Gruft.

Der folgende Raum zeigt eine Jahreskrippe mit wechselnden Darstellungen sowie eine Pieta (Beweinung Christi), eine Rokokoarbeit von 1781.

Hinter dem Hochaltar ist ein Oratorium, mit vier Figuren von Johann Jakob Schnabl (gestorben 1756): Fidelis von Sigmaringen, Klara, Veronika und Felix von Cantalice, und als Leihgabe der deutschen Kapuzinerprovinz vier Holzfiguren von Johann Nepomuk Unterpieringer aus Burghausen-Lindach vom Jahr 1929: zweimal Franz von Assisi, Antonius von Padua und Fidelis von Sigmaringen sowie eine Hausorgel mit drei Manualen und Pedal und 8 Registern der Fa. Hubert Sandtner (1971).

Bei der Kirchenrenovierung 2008/2009 wurde auch die elektro-pneumatische Orgel mit zwei Manualen und Pedal und 21 Registern der Fa. Ludwig Wastlhuber (1967) durch Orgelbau Utz aus Regensburg restauriert und umgestaltet. Josef Schneider aus Burghausen gab dem Prospekt durch seine charakteristische Bemalung der Principal-8‘-Pfeifen ein ansprechendes Erscheinungsbild.

1965 wurde der Eingang zur Kirche von der Mitte der Kirche an die rechte Seite verlegt. Neben dem Seitenschiff liegt der Kapuzinerfriedhof (letzte Bestattung 1973). An der Mauer des ehemaligen Klosters der Kapuzinergasse entlang ist eine Gedenktafel für den 1877 verstorbenen Freiherrn Wilhelm von Ketteler, Bischof von Mainz, bekannt als „Arbeiterbischof“, angebracht (1927). Im Juli 1994 mussten die Kapuziner wegen Nachwuchsmangel Kloster und Studienseminar aufgegeben. Die Kirche übernahm die Altstadtpfarrei St. Jakob, Kloster- und Seminargebäude werden als städtische Musikschule und Jugendherberge genutzt.

Fotos: Gerhard Nixdorf, Text: Bernhard Waas